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Blutegeltherapie

Wie beim Schröpfen liegen zur Blutegelherapie Darstellungen schon aus der Zeit um 500 v. Chr. aus Indien vor.

Einer unsere großen geistigen Vorväter in der Naturheilkunde Claudius Galenus sorgte für die Aufnahme in unsere mitteleuropäische Heilkunst, deren Anwendung bis in die Neuzeit reicht und vor allem heutzutage in der Chirurgie eine Renaissance erlangt.


Durchführung:

Wir arbeiten hier mit einem lebendigen Wesen, welches durchaus seine Animositäten hat. Als Patient muß man Geduld, Zeit und Verständnis aufbringen, wenn die Egel zum Beispiel nicht beißen wollen.

Die Haut darf im Vorfeld nicht übermäßig gereinigt werden, die Tiere reagieren sehr empfindlich auf künstliche Gerüche (auch Alkohol und Nikotin). Mit einer präparierten Spritze kann man das Tier exakt platzieren. Wenn es sich festgesaugt hat, verbleibt es ca. 15 min bis max. 1 h auf der Haut. Sie fallen ab, wenn sie vollgesaugt sind oder werden vorsichtig zur Ablösung gebracht.

Die Entsorgung der gesättigten Tiere ist aus hygienischen Gründen gesetzlich geregelt.

Wirkungsweise:

  1. Kleiner Aderlass

Unter der Therapie saugt ein Egel mittlerer Größe ca. 5-8 ml aus der kleinen Wunde. Die Wunde wird in der Praxis verbunden, sollte aber Gelegenheit haben zum Nachbluten (ca. 20-40ml). Diese Menge entspricht einem Mikoaderlass mit entstauender, antientzündlicher und entlastender Wirkung.

  1. Blutegelwirkstoff

Den Hauptgrund für einen Einsatz des Blutegels sind die Bestandteile seines Mundschleims. Grundsätzlich hat ein Egel nur ein Interesse: Die Bißwunde solange offen zu halten, bis er satt ist. Dies gelingt durch das gerinnungshemmende Eglin (auch Hirudin) seiner Halsdrüsen. Neben der „Blutverflüssigung“ wird zudem der gesamte Lymphstrom für 24 Stunden angeregt (unsere Hauptbahn zur Entlastung aus dem Gewebezwischenraum und wichtig für die Abwehr). Die Durchblutung des Organismus erhält eine Beschleunigung, alte Schriften sprechen davon, das vorausgegangene Mikroinfarkte in den verschiedenen Geweben aufgelöst werden können.


Indikation:

  • Venöse Erkrankungen
    Krampfadern, akute Venenstrangentzündung, offene Beine, postthrombotische Syndrom (Zustand nach akutem Beinverschluß)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
    Rheumatischer Formenkreis, akuter Gichtanfall, akute Prellungen und Hämatome, Gelenkschwellungen, Arthritis (Entlastung, entzündungshemmend), Arthrose (durchblutungsfördernd)
  • Erkrankungen der Sinnesorgane
    Chronisches Glaukom (Grüner Star), Tinnitus, Mittelohrentzündung, chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Wichtiges zu Wissen:
  1. Der Biss eines Blutegels hinterlässt manchmal eine winzige dreistrahlige Narbe.

  2. Es kann zu allergischen Reaktionen kommen (ähnlich dem Stich einer Biene, aber schmerzlos, eventuell gepaart mit Juckreiz).

  3. Kontraindikationen: Einnahme von Blutverdünnern, vor chirurgischen Eingriffen, Diabetes mellitus, arterielle Verschlußkrankheiten

"Sie können sich gerne bei uns überzeugen, dass diese überaus nützlichen Tiere nichts mit Ekel zu tun haben. Im geeigneten Krankheitsfall können sie uns großen Nutzen erweisen, den wir als Behandler sehr zu schätzen gelernt haben."


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